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– UNTER NACHBARN –

hardy-kruegerAls Kind war er ein Nazi, das sagt er von sich selbst. Und einen Großteil dieser Kindheit verbrachte er in Biesdorf. Die Rede ist von Schauspieler Hardy Krüger, vielen auch als „Weltenbummler“ ein Begriff. Mit 88 Jahren blickt er jetzt auf diese prägenden Jahre zurück. „Was das Leben sich erlaubt“, heißt der schmale Band, der soeben bei Hoffmann & Campe erschienen ist. Ein reicher Onkel aus Südafrika kaufte den Krügers 1934 ein Haus neben dem Capitol-Kino – das stand damals in der Königstraße, die inzwischen die Otto-Nagel-Straße ist. Und dieses Kino wies Krüger den Weg für sein weiteres Leben. Ein Filmvorführer zeigte ihm heimlich Streifen, die er eigentlich nicht hätte sehen dürfen. Später, als NS-Eliteschüler, bekam er Ufa-Rollen in Babelsberg – und Schauspielkollege Hans Söhnker klärte ihn über die wahre Fratze des Hitler-Regimes auf. In Biesdorf wurden Krüger und seine Familie an Heiligabend 1943 ausgebombt. Nach Kriegsende zog er mit seiner Mutter weg. Doch eine große Karriere begann.

Wollen Sie sich oder jemand anderen in dieser Rubrik vorstellen? Haben Sie etwas Besonderes im Bezirk entdeckt? Oder ärgert sie etwas, und Sie wollen darauf aufmerksam machen? Dann schreiben Sie mir unter leute-i.salmen@tagesspiegel.de. Ich melde mich bei Ihnen.


– MACHER –

Hängepartie bei der Ressortverteilung. Auf der Zielgeraden sind die Gespräche über eine Zusammenarbeit von Linke, SPD und CDU noch einmal ins Stocken geraten. „Überraschend“, schrieb die „Berliner Zeitung“ am Sonntag, habe die SPD ihre Absicht erklärt, den BVV-Vorsitz zu übernehmen – wie bereits zuvor die CDU. Das kam so überraschend, dass es letzte Woche schon in diesem Newsletter stand. Aber weil alles mit allem zusammenhängt, haben sich die Parteien nun auch noch nicht auf die Ressortverteilung im Bezirksamt geeinigt. Heute Abend – das beteuern alle – sollen die letzten Hürden nun aber wirklich beseitigt werden. Die BVV konstituiert sich am Donnerstag um 17 Uhr im Freizeitforum. Das Bezirksamt wird jedoch erst am 10. November gewählt.

Der unscharfe Herr Braun. AfD-Fraktionschef Rolf Keßler, so viel steht fest, kann bei Interesse Lehrstunden im wortreichen Nichtssagen erteilen. Mittwochmorgen gab er per Pressemitteilung den Namen des Stadtratskandidaten bekannt: Thomas Braun heißt er. Was der gute Mann in seinem Leben alles gemacht hat, breitet Keßler sodann auf 15 unscharfen Zeilen aus. Immerhin: Wir erfahren, dass er Jahrgang 1956 ist, Diplom-Pädagoge mit Studium in Tübingen und früher einmal das Jugendamt in Leipzig geleitet hat. Wann das war („nach der Wiedervereinigung“), bleibt offen. In Berlin soll Braun irgendwann als „Leiter eines Sozialamtes“ sowie „in der Senatsverwaltung Berlin im Bereich Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft tätig“ gewesen sein. Nichts gibt es zu seinem aktuellen Job sowie seiner Parteilaufbahn. Meine Kollegin Susanne Vieth-Entus hat bisher das herausgefunden: Das Sozialamt stand in Friedrichshain-Kreuzberg, in der Senatsverwaltung war sein Name spontan nicht bekannt, dafür bei der CDU Neukölln, wo Braun laut Kreischef Falko Liecke von 2008 bis 2011 der Union angehörte – ehe er sich erfolglos um das Bürgermeisteramt im schwäbischen Nürtingen bewarb. Doch zu alledem sagen Herr Braun und Herr Keßler bislang: nichts.

Farbattacke auf Politiker-Wohnhaus. Umso wortgewaltiger äußert Keßler sich in einem anderen Fall. „Das ist ein feiger, gewalttätiger Anschlag“, sagte er zu Farbschmierereien am Wohnhaus des AfD-Bezirksverordneten Jens Pochandke. „Menschenfeind 161“ stand auf einem Garagentor, „Hass hat Konsequenzen!“ auf einem Flugblatt. Bei Indymedia bekannte sich die Antifa zu der Attacke. Wen wollen die radikalen Linken eigentlich mit solchen Aktionen erreichen? Frommer Wunsch an alle: einfach mal „Mehr Liebe wagen“.

Bürger können Ausgaben festlegen. Beim Bürgerhaushalt nimmt Marzahn-Hellersdorf bekanntlich eine Führungsrolle in Berlin ein. Und ab sofort sind wieder Ideen gefragt. Soll der marode Gehweg Priorität bekommen? Braucht das Stadtteilzentrum mehr Mittel, ein Spielplatz weitere Geräte – oder die Turnhalle ein neues Dach? Am 1. November startet die neue Entscheidungsrunde für den Etat 2018/19. Meine Kollegin Susan Djahangard hat hier für Sie aufgeschrieben, wie das genau funktioniert. Und Veranstaltungen in Ihrem Kiez – teils schon in dieser Woche – finden Sie hier.

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